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"Kühle Kirche" in Püttlingen :Eine Oase gegen Hitze und Einsamkeit in der Liebfrauenkirche

Die Pfarrei Püttlingen St. Michael öffnet mittwochs die Liebfrauenkirche als kühlen Treffpunkt für Erfrischung, Begegnung und Seelsorge.
Ein Ort zum Abkühlen und der Begegnung ist die Püttlinger Liebfrauenkirche im Sommer immer mittwochs von 14 bis 17.30 Uhr.
Datum:
16. Juli 2026
Von:
Eva-Maria Kaufmann
Die Liebfrauenkirche in Püttlingen.

Grad, kaum ein Lüftchen, die Luft ist schwül und stickig. Wer an einem solchen Sommertag die Liebfrauenkirche in Püttlingen betritt, spürt sofort den Unterschied: Hinter den dicken Mauern herrschen angenehme Temperaturen von höchstens 25 Grad. Ab August öffnet die Pfarrei Püttlingen St. Michael deshalb jeden Mittwoch von 14 bis 17.30 Uhr ihre Kirche als „Kühle Kirche“ – ein offenes Angebot für alle, die der Hitze entkommen, zur Ruhe finden oder mit anderen Menschen ins Gespräch kommen möchten. 

Kostenloses Wasser steht für die Gäste bereit. Doch das Projekt soll weit mehr sein als ein kühler Aufenthaltsort. „Hier sollen die Leute einen Raum finden, in dem sie sich abkühlen und etwas trinken können – und bei dem auch Austausch und Begegnung möglich sind“, erklärt Oswald Speicher vom Pfarrgemeinderat. Wer möchte, kann Gesellschaftsspiele spielen, sich mit anderen austauschen oder ein vertrauliches Gespräch mit einem Seelsorger führen. „Man kann sich aber auch ganz einfach allein in die Kirche setzen und seinen Gedanken nachhängen. Man muss nicht unbedingt aktiv sein.“ 

Die Idee sei bereits im vergangenen Jahr entstanden, nachdem der Trierer Bischof Stephan Ackermann dazu aufgerufen hatte, angesichts zunehmender Hitzebelastung Kirchen als kühle Orte zu öffnen. „Damals war das in Püttlingen so kurzfristig nicht mehr möglich“, berichtet Speicher. Gemeinsam mit den Gremien der Pfarrei und dem Koordinator der Seelsorge, Francesco Caglioti, wurde das Projekt nun umgesetzt. „Wir sind erst am Anfang und schauen, wie es sich entwickelt. Noch muss das Angebot bekannter werden“, sagt Speicher. 

Für Francesco Caglioti, der auch dem Leitungsteam des Pastoralen Raums Völklingen angehört, steht dabei der Mensch im Mittelpunkt. „Viele Menschen müssen heute in kleinen Wohnungen sehr viel Hitze ertragen. Hier ist es etwas kühler und vor allem ein großer, heller Raum“, sagt der Koordinator der Seelsorge. Gerade ältere Menschen oder Familien verbrächten an heißen Tagen oft den ganzen Tag hinter heruntergelassenen Rollläden in kleinen Wohnungen. „Wir wollen die Leute ein Stück weit aus der Einsamkeit holen und hier miteinander ins Gespräch bringen. Das ist unsere Arbeit als Kirche: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.“ Neben der körperlichen Abkühlung bietet die Kirche deshalb auch Raum für Begegnung und bei Bedarf ein offenes Ohr. „Die christliche Botschaft ist vom einzelnen Menschen her zu denken: Was braucht der Mensch? Er braucht keine Einsamkeit. Der Mensch braucht das Gegenüber.“ 

Sollte das Angebot gut angenommen werden, könnte es bis Oktober fortgeführt werden. „Dann wird es in der Kirche zu kalt“, sagt Caglioti. Entscheidend sei jedoch das Engagement vor Ort: „Es muss von den Leuten kommen, die dahinter stehen. Zum Glück gibt es in der Pfarrei sehr engagierte Menschen.“ 

Projektpartner ist die Stadt Püttlingen. „Wir machen als Stadt sehr gerne bei dem Projekt mit“, betont Bürgermeisterin Denise Klein, „es ist sehr gut, wenn man Menschen aus der Isolation holen und gleichzeitig kühle Orte schaffen kann. Das ist etwas, was eine Stadt braucht.“ Angesichts sich häufender Naturkatastrophen und Hitzewellen wolle die Stadt weitere solcher Orte schaffen.  

 

Kirche als Treffpunkt für weitere Gruppen?

Während des Nachmittags entstehen bereits neue Ideen, wie die „Kühle Kirche“ weiterentwickelt werden kann. So gibt es die Überlegung, das Trauercafé in die Kirche zu verlegen. „Die Handarbeitsgruppe im Mehrgenerationenhaus musste ein Treffen absagen, weil es zu heiß war“, berichtet Diplom-Sozialarbeiterin Miriam Schug von der Stadtverwaltung. Jetzt wollen die Beteiligten prüfen, ob die Gruppe sich in der Kirche treffen kann. „Wir sind dafür offen“, sagt Werner Pink vom Verwaltungsrat. Die Liebfrauenkirche eigne sich aufgrund der zentralen Lage und Barrierefreiheit bestens für alle Altersgruppen. Überlegt wurde auch ein Fahrdienst für Leute, die nicht selbständig zur Kirche kommen können.  

Die Gäste, die am Mittwoch gekommen sind, zeigen sich von dem Projekt angetan: „Ich freue mich, dass ich als Rentner auch mal die Gelegenheit habe, mit anderen Leuten zu spielen“, sagt ein Gast. „Man kommt zusammen, es ist wie eine kleine Auszeit“, findet eine Besucherin. „Niemand glaubt nur für sich allein. Wir wollen etwas für andere tun. Das ist gelebte christliche Nächstenliebe“, sagt Oswald Speicher, „wir wollen das, was uns ausmacht, weitertragen.“ 

Info: Die Liebfrauenkirche (Kardinal-Maurer-Straße, 66346 Püttlingen) ist über den Sommer hinweg mittwochs von 14 bis 17.30 Uhr als „Kühle Kirche“ geöffnet. Es gibt kostenloses Wasser, auf Wunsch auch Begegnung, Spiele und ein seelsorgliches Gespräch.